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100 Jahre St. Michael

Johannis-Magazin Nürnberg Septemberg 2010 Foto St. Michael Die Kirche St. Michael in der Wilhelm-Marx-Straße ist eines der Wahrzeichen von St. Johannis. Etwas abseits der Hauptverkehrsadern und nicht so berühmt wie der Johannisfriedhof, ist sie doch ein Orientierungspunkt, der das Leben im Stadtteil in vielen Bereichen mitgestaltet. Ihre Glocken läuten für Johanniser wie für Besucher, für Alt wie für Jung, für Katholiken, wie für Anders- oder Nicht-Gläubige. von September bis Dezember sind sie alle eingeladen, an gleich zwei Jubiläen teilzunehmen. Denn die St. Michaelskirche wurde am 25. September vor 100 Jahren geweiht und die St. Ulrichkirche, die ebenso zur Pfarrgemeinde gehört, am dritten Advent vor zehn Jahren konsekriert.

Beginn war um 1898, als Niederbronner Schwestern eine Station in Johannis/Neuwetzendorf gründeten, um die soziale Not aufzufangen, die durch das Bevölkerungswachstum im Zuge der Industrialisierung in Nürnberg entstanden war. Die Bevölkerung wuchs durch den erhöhten Wohnraumbedarf über die Stadtmauer hinaus und auch die Zahl der Katholiken in der Stadt nahm zu. So entstand der Wunsch nach einer eigenen Kirche, im wohnortnahen Raum.

Im Mai 1905 beschloss die Pfarrei "Zu unserer lieben Frau" die Errichtung neuer Pfarreien. Eine davon sollte die von St. Michael sein, verbunden mit der dazugehörigen Kirchenstiftung, die die Mittel für den Kirchenbau beschaffen und verwalten musste. Neben Sammlungen und Bankdarlehen trug zum Erreichen der notwendigen Summe auch eine Privatspende aus einem Kloster in Luxemburg bei. Die Spenderin war Schwester Maria Karmela, mit Taufnamen Michaela. Sie bestimmte die Namens- und Patronatsgebung der Kirche.

Johannis-Magazin Nürnberg Septemberg 2010 Foto St. Michael Innenraum1908 wurde der Architekt Otto Schulz mit der Projektplanung beauftragt. Obwohl zu der Zeit barocke Kircheneinrichtungen immer weniger gefragt waren, wählte er den sogenannten "süddeutschländlichen Neubarock" für das neue Gotteshaus. Es war ein Stück Heimat für viele Katholiken mit Wurzeln in der Oberpfalz und den Gebieten um Bamberg, die einen großen Teil der Neubürger im Westen der Stadt bildeten. Gleichzeitig fügte es sich gut ins barocke St. Johannis ein. Die Bauausführung übernahm der Baumeister Hans Saueressig aus Nürnberg.

Die Kirche steht

Die St. Michaelskirche wurde im damaligen Neuwetzendorf noch fast ins Grüne gebaut. Form und Lage des erworbenen Grundstückes hatten zur Folge, dass der Bau in der sonst nicht üblichen Nord-Süd-Richtung errichtet wurde. Die Öffnung nach Süden und das Gebiet um die Kirche herum boten sich geradezu als Siedlungsraum an und so ist es auch gekommen: Die Wohnbaugesellschaft der Stadt Nürnberg, wbg, errichtete dort arbeitsnahen, zweckmäßigen und preisgünstigen Wohnraum für über 1000 Familien. Auch die Infrastruktur mit Geschäften, Schulen und Kindergärten, Altenheim und Krankenhaus entstand rund um die Kirche.

Am 25. September 1910 wurde die Michaelskirche konsekriert, begleitet vom Geläut vier neuer Glocken aus der Glocken- und Metallgießerei Lotter in Bamberg. Hochaltar und Seitenaltäre waren noch nicht vorhanden, die Orgel war nicht neu und die Gemälde wurden erst 1913 fertig. Aber man hatte ein eigenes Gotteshaus und das Pfarreileben blühte auf. Wurde St. Michael zunächst noch von der Pfarrei der Frauenkirche mitbetreut, folgte am 1. Januar 1916 die Erhebung zu einem selbstständigen Seelsorgebezirk unter der Leitung eines Kurators. Eine selbstständige Pfarrei wurde St. Michael schließlich im Jahr 1922.

Johannis-Magazin Nürnberg Septemberg 2010 Foto St. Michael TorDie Mühen und Errungenschaften all dieser Jahre wurden am 20. Februar 1945 zerstört, als eine Luftmine die Kirche traf und sie bis auf die Außenmauern niederriss. Doch das Gemeindeleben ging weiter, erst im Pfarrhaus und im Blindenheim, nach und nach in den aufgeräumten und wiedererbauten Kirchenräumen. Fünf Jahre später, am 14. Mai 1950, konnte die Altarweihe gefeiert werden. Neue Kirchenbänke kamen 1952, im Jahr 1954 schuf der Goldschmied Joseph Amberg die 3,70 m hohe Figur des Heiligen Michael, im Jahr 1958 konnte endlich der Turm saniert werden und sein heutiges Helmdach aus Kupfer erhalten. Die ursprünglichen Glocken waren während des Krieges verschwunden und wahrscheinlich eingeschmolzen, es mussten neue gegossen werden.

Am 14. Juni 1959 war es soweit: Die vier neuen Glocken aus der Glockengießerei Schilling in Heidelberg wurden geweiht und eine Woche später konnten sie, zusammen mit den ebenfalls neuen Glocken der Friedenskirche, zum ersten Mal die Eröffnung der Johanniser Kirchweih einläuten. Mit einer Besonderheit: das Geläut beider Kirchen wurde klanglich aufeinander abgestimmt, ein schönes Bekenntnis zur Ökumene schon vor 50 Jahren! Am Palmsonntag 1960 wurde schließlich die neue Orgel eingeweiht.

Die Kirche verändert sich

Mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962 bis 1965) entstand ein neues Kirchenverständnis. So sollte unter anderem ab dann der Gottesdienst mit der Zuwendung des Geistlichen zum Volk erfolgen, was eine Umgestaltung des Inneren vieler Kirchen mit sich brachte. In St. Michael geschah dies ab 1969, parallel dazu erfolgte auch eine erste Außenrenovierung. Künstlerischer Berater, vor allem für die farbliche Innengestaltung, war der Bildhauer Hans Heiber. Von ihm stammt auch die Altarraumplastik mit 600 kg Bronzeblech, die mit ihren Flügeln die Allgegenwart Gottes und mit den stilisierten Augen seine Allwissenheit andeutet. Die Umgestaltung und Modernisierung der Kirche allgemein und der Michaelskirche insbesondere machten sich jedoch nicht nur in der Architektur und in den liturgischen Formen bemerkbar, sondern auch im Gemeindeleben. Die Strukturen wurden demokratischer, Jugendliche und Frauen stärker einbezogen, die Ökumene gestärkt.

1987 wurde das Pfarrzentrum St. Ulrich in der Kölner Straße errichtet, um den Menschen in den Neubaugebieten am Vogelherd die Möglichkeit zu geben, näher bei ihrer Glaubensgemeinde zu sein und besser an den Angeboten der Kirchengemeinde teilnehmen zu können.

Die Kirche heute

Zum 100-jährigen Bestehen ist St. Michael das Zentrum für ein vielfältiges und sehr aktives Gemeindeleben. Neben verschiedenen Gottesdienstformen gehören regelmäßig dazu: Jugendgruppenstunden, Meditationsabende, Pfarreifahrten, Kirchenmusik, Sternsingeraktion, zwei Kindergärten, Bücherei, das ökumenische Seniorencafé und vieles mehr. Gemeinsam mit der evangelischen Gemeinde werden Bibelwoche, Weltgebetstag, Schulgottesdienste, Kindertage, Kanzeltausch veranstaltet. Viele Projekte und Visionen stehen noch an, sodass St. Michael auch in Zukunft Wahrzeichen und Orientierungspunkt in St. Johannis im weitesten Sinne bleibt.

Text: E. K.-Haetinger,
Quelle der historischen Daten:
Festschrift zu 100 Jahre Pfarrei St. Michael
bildquelle: Chronik der Pfarrei St. Michael

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